Wenn Menschen von „sanftem Yoga“ oder „Slow Yoga“ hören, kommen oft Zweifel auf: Bringt das wirklich etwas? Ist das nicht nur für Anfänger? Hier beantworte ich die häufigsten Einwände, die ich höre — mit der Wissenschaft und der Erfahrung dahinter.
Einwand Nr. 1: Ich habe wenig Zeit für Übungen. Deswegen haben Yoga-Stunden mit langsamen Bewegungen keinen Platz in meinem Leben.
Cardio-Training ist toll für deine Gesundheit, aber auch ruhige und bewusste Übungen sind genauso wichtig in deinem Trainingsplan — aus den folgenden Gründen:
- Wenn du nach dem Trainieren weiterhin Unruhe, Müdigkeit, Depression und chronische Schmerzen verspürst, dann sind ruhige Übungen genau passend für dich.
- Ruhige Übungen helfen dir, ein gutes Körperbewusstsein und höhere Widerstandsfähigkeit für dein Nervensystem zu entwickeln. Das führt dazu, dass deine Einstellung und deine Reaktion gegenüber dem Stress des Lebens verbessert werden.
- Ausserdem fördern ruhige Übungen die Reduzierung von Entzündungen und erhöhen die emotionale Kontrolle. Auch helfen sie einem, besser zu schlafen.
Einwand Nr. 2: Das ist doch kein richtiges Yoga.
Es gibt viele verschiedene Ansätze in der Yoga-Praxis. Diese verschiedenen Schwerpunkte verfolgen unterschiedliche Ziele und Nutzen. Das ruhige und sanfte Yoga hat viele — und ich würde sogar sagen mehr — Vorzüge als das schnelle und anspruchsvolle Yoga.
- Anspruchsvolle Übungen sind fantastisch, aber das sanfte Yoga hat gegenüber den Cardio-Übungen Vorteile, die mindestens genauso wichtig für deine Gesundheit sind. Es hat zum Ziel, durch Entspannung deine Widerstandsfähigkeit zu erhöhen, deine Selbstregulierung zu verbessern sowie Entzündungen, die durch Stress verursacht werden, zu reduzieren.
- Dank der sanften Yoga-Übungen wird sich dein Nervensystem ruhiger, zentrierter und energievoller fühlen, besonders in den Momenten, wenn du es brauchst.
- Diese Art von Übungen verbessert auch dein Immunsystem, reduziert die Müdigkeit und hilft sogar dabei, sich selbst zu erkennen und einen tieferen Sinn im Leben zu finden sowie herauszufinden, was man im Leben machen möchte.
Einwand Nr. 3: Das sanfte Yoga hilft mir nicht bei der Gewichtsabnahme.
Als ich mit diesem Typ von Yoga angefangen habe, hatte ich ähnliche Bedenken, d.h. meine Cardio-Übungen für sanftere Übungen zu opfern. Aber zu dem Zeitpunkt kannte ich noch nicht die Wissenschaft des Körpergewichts.
Ich bemerkte nicht, dass die harten Übungen nur zwischen 10 und 30% zur Gewichtsabnahme beitragen. Studien belegen, dass Stress einer der Hauptschuldigen für die Gewichtszunahme ist, und dass bewusste Bewegung und bewusstes Atmen den Stresspegel und damit die dadurch verursachten Entzündungen reduzieren, was zur Gewichtsabnahme beiträgt.

Yoga at home
Einwand Nr. 4: Diese Methode des Yoga ist für Anfänger, aber ich möchte lieber Yoga für Fortgeschrittene lernen.
Viele Leute denken, dass es das Ziel von Yoga ist, immer komplexere und anspruchsvollere Haltungen zu kreieren, und dass man das nur durch ein Yoga erreicht, das eher Verrenkungen gleicht. Natürlich kann es unterhaltsam sein, diese anspruchsvollen Übungen zu entdecken, aber sie sind nur ein Puzzlestück des Yogas im Ganzen.
Diese Übungen fühlen sich bestimmt genial an, aber sobald du die Vorteile des sanften Yogas spürst, wirst du erkennen, dass „Fortgeschritten“ auch bedeutet, besser schlafen zu können, eine bessere Verdauung zu haben, friedlichere Beziehungen zu haben, in Frieden mit dir selbst zu sein sowie konzentrierter zu sein.
Einwand Nr. 5: Wenn ich die Dehnung nicht fühle, dann bringt mir das nichts.
Viele Menschen, die Yoga praktizieren, fühlen dasselbe: „Ich muss ein wenig über meine Grenzen hinausgehen, um die Dehnung zu spüren.“ Aber Vorsicht — da kann es zu Verletzungen kommen, denn es gibt Menschen, die extrem gelenkig (flexibel) sind.
Das sanfte Yoga hilft dir zu lernen, wie du dich bewusst bewegst und wie du eine grosse Zufriedenheit aus den Bewegungen und Haltungen ziehst, ohne dich zu überdehnen. Das sanfte Yoga bringt ein Gefühl der grösseren Sicherheit und einer längerfristigen Nachhaltigkeit mit sich.
Einwand Nr. 6: Ich werde keinen Muskelaufbau bei diesem Typ von Yoga haben.
Viele Menschen denken, dass sie ohne Mühe und Schwitzen keinen Muskelaufbau erreichen können. Das muss nicht unbedingt der Fall sein.
Sich ruhig bewegen kann bedeuten, dass du auf dem Rücken liegst und kleine Bewegungen ausführst, bei denen du dein Körperbewusstsein schärfst. Es kann aber auch bedeuten, dass du übst, dich langsam aber sicher in eine kompliziertere Übung zu begeben. Langsam bedeutet nicht gleichzeitig langweilig, sondern kann ausgezeichnet sein, um die Muskeln aufzubauen. Studien belegen, dass langsame Bewegungen bei Gleichgewichtsübungen hervorragend für den Muskelaufbau sind.

Übersetzung und Adaption: María Uceda, yogaconmaria.es
— Originalartikel auf Englisch: Kristine Kaoverii Weber, subtleyoga.com